Vor kurzem erschien die Studie “IAM Bernet Journalisten im Web 2019”. Die Befragung von 20 Journalistinnen und Journalisten zeigt, dass sich die Sozialen Medien als Arbeitsinstrument für Medienschaffende etabliert haben. Doch die Plattformen sind Segen und Fluch zugleich. Die Chancen, gute Inhalte und Geschichten zu finden, sind gross – aber ebenso gross ist der Zeitaufwand und das Risiko, sich zu verlieren.

IAM Bernet Studie 2019

Die veränderte Medienlandschaft und der steigende Druck in den Redaktionen beeinflusst nicht nur die journalistische Arbeit, sondern auch die von Kommunikations-Profis in Organisationen und Agenturen. “Wir wollen diese Entwicklung verstehen und herausfinden, wie man heute qualitativ gute, wirksame Online-Medienarbeit macht”, sagen Irène Messerli und Dominik Allemann. Sie realisieren in ihrer Agentur Bernet Relations seit Jahren Studien zu Fragen der Online-Kommunikation. Auch Guido Keel erforscht am Institut für Angewandte Medienwissenschaften IAM die Auswirkung der Digitalisierung auf den Journalismus. Gemeinsam veröffentlichen sie nun mit dem Verlag buch & netz die neuste Studie “IAM Bernet Journalisten im Web 2019”. Entwickelt hat sich die Studienreihe aus quantitativen Befragungen von Journalistinnen und Journalisten zum Umgang mit dem Internet, die seit 2002 am IAM durchgeführt werden. “Nach einigen gross angelegten Online-Umfragen wurde uns klar, dass wir an differenzierten Erkenntnissen zur Bedeutung von Online und Social Media im Journalismus interessiert sind”, erklärt Guido Keel. So haben jetzt zum dritten Mal tiefergehende Gespräche mit ausgewählten Medienschaffenden stattgefunden, deren Aussagen im vorliegenden Buch zusammengefasst sind.

Social Media als Arbeitsinstrument

Die Studie zeigt, dass sich Social Media als Arbeitsinstrument für Journalistinnen und Journalisten etabliert hat. Die Entwicklung der letzten Jahre verlief trotz neuer Plattformen graduell. Der Umgang mit Social media blieb dabei in etwa ähnlich. Allerdings findet zunehmend eine Ausdifferenzierung statt, erklärt Guido Keel: “Die Journalistinnen und Journalisten nutzen spezifische Plattformen und Funktionen gezielt für bestimmte Aufgaben.” Allgemein haben die Sozialen Medien insbesondere als Themenquelle an Wichtigkeit gewonnen. Das habe auch damit zu tun, dass Unternehmen und Organisationen dazu gelernt haben. “Es engagieren sich verschiedene Experten, indem sie Inhalte teilen und Dialoge führen”, erläutert Irène Messerli.

Die journalistische Qualität in der Informationsflut bewahren

Die neuste Studie zeigt aber auch eine gewisse Ernüchterung. Verschiedene Befragte sehen den Nutzen von Social Media eher kritisch, stellen gleichzeitig aber fest, dass es ohne nicht mehr gehe. Die Herausforderung liegt für Guido Keel im Herausstreichen der journalistischen Qualität: “Jüngere MediennutzerInnen erhalten News aus ganz unterschiedlichen Quellen, zunehmend via Social Media, das heisst aufgrund von Algorithmen und persönlichen Netzwerken. Diese Entwicklung gefährdet den Journalismus, denn sie stellt journalistische Inhalte auf die gleiche Stufe wie strategische Public Relations-Aussagen oder Blog-Beiträge unbekannter Individuen.” Dominik Allemann sieht in der Informationsflut die grösste Herausforderung: “Der Zeitdruck in den Redaktionen wird weiter steigen, bei zeitgleich wachsendem Info-Strom. Medienschaffende müssen Filter etablieren und Strategien entwickeln, wie sie die vielen Quellen bewirtschaften können.”

Selbst nutzen die Herausgeber Social Media gezielt für ihre Arbeit. Guido Keel setzt sie primär für das Marketing der eigenen Studiengänge und der Leistungen des Instituts ein. Um ihre Kunden beraten zu können, müssen Irène Messerli und Dominik Allemann die Art zu kommunizieren, Social Media und die Medienlandschaft bis ins Detail verstehen: “Wir leben für die professionelle Kommunikations-Arbeit in der vielleicht interessantesten aller Zeiten.”

Prof. Dr. Guido Keel ist Leiter des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft.

Dominik Allemann ist Co-Inhaber/CEO der Bernet Relations.

Irène Messerli ist Co-Inhaberin/CEO der Bernet Relations.

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