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Die «terrible simplification» von Polizeihirnen

Schnüffelstaat Schweiz

Hundert Jahre sind genug

von

 

Erich Grüner

Die «terrible simplification» von Polizeihirnen

Staatsschutz in Form von Polizeibespitzelung hat immer reale Ursachen. Diese gleichen aber einem Knäuel von verschiedensten Wirkungskräften. Das Gefährliche an diesem Knäuel ist die ‹terrible simplification› von Polizeihirnen. Damals wurde der Schweiz die Bundespolizei von den drei konservativen Kaiserreichen (Deutschland, Österreich, Russland) aufgedrängt, weil diese mit Lockspitzeln anarchistische Attentate angezettelt hatten und damit die mit Worten zwar radikalen, aber in der Praxis friedliebenden Sozialdemokraten zu Staatsfeinden stempeln wollten. In der Presse stand damals gar: «Noch jeder Anarchist ist durch die Sozialdemokratie hindurchgegangen.» Diese Tendenz ist noch 1951 verständlich gewesen, auch 1968 noch, bei der Intervention der Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei. Aber die Polizeihirne haben bis heute an der Doktrin festgehalten, dass jeder vom helvetischen Mittelmass Abweichende ein potentieller Staatsfeind sei. (…)

Wenn 250000 unbescholtene Schweizerinnen und Schweizer in Fichen registriert sind, ohne dass man es ihnen sagt, dann raubt man ihnen den guten Namen. Und das zerstört das Vertrauen.

Interview mit Erich Grüner, bis 1985 Professor für Geschichte und Soziologie der schweizerischen Politik an der Universität Bern, im Tages-Anzeiger vom 3. März 1990

 

Dieses buch & netz Online-Buch basiert auf dem Werk «Schnüffelstaat Schweiz» welches im Jahre 1990 vom Komitee Schluss mit dem Schnüffelstaat im Limmat Verlag Zürich publiziert wurde und mittlerweile vergriffen ist. Die Inhalte des Buches werden mit freundlicher Genehmigung des Limmat Verlages und des Vereins grundrechte.ch, der Nachfolgeorganisation des Komitees Schluss mit dem Schnüffelstaat, online der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Alle Rechte vorbehalten – © 1990 Limmat Verlag Genossenschaft, Zürich

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