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Schnüffelstaat Schweiz – digitale Edition gestartet

Vor bald 25 Jahren erschütterte der sogenannte Fichenskandal die Schweiz. Die Dimensionen der geheimen Überwachung eines grossen Teils der Bevölkerung durch den Staat wurden damals bis weit in bürgerliche Kreise hinein als ungeheuerlich empfunden. Doch mittlerweile erscheinen uns diese, in Anbetracht der heutigen Wünsche und Ideen der Behörden, schon fast niedlich. Denken wir nur an die laufende Revision des „Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs“ (BÜPF)  oder an das geplante neue Nachrichtendienstgesetz NDS in der Schweiz.

Der Fichenskandal hat erstmals klare und entlarvende Beweise für die systematische, wenn auch oft dilettantisch erscheinende, Überwachung eines grossen Teiles der Bevölkerung geliefert und hat damals die Menschen wachgerüttelt. So forderten zum Beispiel am 3. März 1990 an einer Demonstrationen in Bern  mehr als 35’000 Personen die Abschaffung der Schnüffelpolizei. Wie wir wissen, ist es nicht dazu gekommen. Im Gegenteil: Staaten, die sich normalerweise ihrer freiheitlichen Grundgesetze rühmen, sammeln Daten über ihre Bürgerinnen und Bürger wie noch nie.

Im Jahre 1990 veröffentlichte das Komitee Schluss mit dem Schnüffelstaat, welches damals die Volksinitiative «S.o.S. Schweiz ohne Schnüffelstaat» lanciert hatte, im Limmat Verlag Zürich, ein Buch, welches in verschiedenen Beiträgen die Geschichte der politischen Polizei in der Schweiz beleuchtete. Dieses Werk mag  zwar da und dort etwas Staub angesetzt haben, und doch bietet es sich gerade in der heutigen Zeit zum erneuten Lesen an. Es ist ein Dokument der Zeitgeschichte, welches uns zu denken gibt. Eine der wichtigsten Aussagen von damals, die im Buch immer wieder bestätigt werden, hat auch heute noch genauso ihre Gültigkeit: Geheimdienste lassen sich nicht kontrollieren. Da helfen weder einschränkende Gesetze noch Kontrollorgane. Sie haben schon immer getan, was sie wollen, und sie werden das auch weiterhin tun. Es gibt nur eine Lösung: Keinen Geheimdienst.

Aber lesen Sie am besten selbst. Das Buch ist zwar vergriffen, doch mit freundlicher Genehmigung des Limmat Verlages und des Vereins grundrechte.ch, der Nachfolgeorganisation der früheren Herausgeberschaft, können wir eine digitale Edition dieses Werkes anpacken. Das Vorwort und das erste Kapitel sind bereits online. In den nächsten Wochen werden laufend neue Kapitel publiziert, die sofort online gelesen werden können. Am Ende des Editionsprozesses ist das Buch dann als E-Book in verschiedenen Formaten verfügbar. Dieses E-Book kann bei uns im Shop bereits vorbestellt werden. 50% der Netto-Erlöse gehen an den Verein grundrechte.ch. Es sind auch noch ein paar wenige Exemplare der gedruckten Ausgabe, sowohl neu als auch antiquarisch, verfügbar. Die Diskussion zum Buch in den Social Media führen wir unter dem Hashtag #schnüffelCH. Ich wünsche eine interessante Lektüre der ersten Texten im Online-Buch von «Schnüffelstaat Schweiz – 100 Jahre sind genug»

Blogbeitrag zu
Schnüffelstaat Schweiz
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Aus dem buch & netz Katalog
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  1. Twitter filtert «Schnüffelstaat Schweiz» wegen Obszönität | Steiger Legal - 28. November 2015

    […] einem Tweet wies ich gestern auf die Wiederauflage der Publikation «Schnüffelstaat Schweiz» zum schweizerischen Fichenskandal hin. Buch & Netz-Verleger Andreas von Gunten stellte in der […]

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