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Das allmähliche Verschwinden der freien Kultur

Immanuel_Kant_(painted_portrait)_921x2Die Geschichte der Urheberrechte ist eine Geschichte der stetigen Ausweitung dieser Rechte und ihres Geltungsbereiches. Kant, der oft und gerne als früher Kämpfer für das Urheberrecht zitiert wird, hat solche Rechte zum Beispiel nur für Autoren, nicht aber für bildende Künstler gesehen.

Kunstwerke als Sachen können dagegen nach einem Exemplar derselben, welches man rechtmäßig erworben hat, nachgeahmt, abgeformt und die Copien derselben öffentlich verkehrt werden, ohne daß es der Einwilligung des Urhebers ihres Originals, oder derer, welcher er sich als Werkmeister seiner Ideen bedient hat, bedürfe. Eine Zeichnung, die jemand entworfen, oder durch einen andern hat in Kupfer stechen, oder in Stein, Metall, oder Gips ausführen lassen, kann von dem, der diese Producte kauft, abgedruckt oder abgegossen und so öffentlich verkehrt werden; so wie alles, was jemand mit seiner Sache in seinem eigenen Namen verrichten kann, der Einwilligung eines andern nicht bedarf. (Immanuel Kant, Von der Unrechtmäßigkeit des Büchernachdrucks, 1785)

Nach und nach wurden weitere Werkgattungen und „Tätigkeiten“ im Zusammenhang mit der Produktion kultureller Artefakte einem nahezu absoluten Eigentumsrecht unterstellt. Auch wenn wir meinen, dass die geistigen Eigentumsrechte quasi aus der Natur der Sache begründet sind, ist es doch so, dass diese ein soziales Konstrukt unserer Zeit darstellen. Wir müssen nicht ins 18. Jahrhundert zurückblicken um zu sehen, dass wir uns allmählich von einer Tradition der freien Kultur zu einer Gesellschaft ohne Kultur bewegen, wenn wir der weiteren Ausweitung der geistigen Eigentumsrechte nicht Einhalt gebieten. Es ist darum sinnvoll, sich zu Fragen, wer die Treiber dieser Entwicklung sind. Oder wie Lawrence Lessig im 2006 auf Deutsch erschienenen Buch „Freie Kultur“ formuliert:

Ist die radikale Abkehr von unserer Tradition der freien Kultur ein Beispiel des Lernens aus Fehlern der Vergangenheit, wie die Abschaffung der Sklaverei nach einem blutigen Bürgerkrieg oder unsere allmähliche Beseitigung von Ungleichheiten? Oder ist die radikale Abkehr von unserer Tradition der freien Kultur nur ein weiteres Beispiel dafür, wie ein politisches System von mächtigen Interessengruppen vereinnahmt werden kann? (Lawrence Lessig, Freie Kultur, 2006, S. 21)

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Freie Kultur
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«Das Thema dieses Buchs ist also das Urheberrecht und der Miss­brauch, der heute mit ihm getrieben wird.»
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Neun Thesen zur Remix-Kultur
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