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Gebrauchte E-Books gibt es nicht

In den Niederlande sei ein neuer Marktplatz für gebrauchte E-Books online gegangen (Tom Kabinet). In den USA gibt es mit ReDigi bereits seit längerem einen ähnlichen Dienst.

Das Problem dabei ist allerdings: Gebrauchte E-Books gibt es nicht.

Die Idee, E-Books als „gebraucht“ zu deklarieren und wieder zu verkaufen ist ähnlich falsch, wie die Idee E-Books auszuleihen. Es sind schöne Beispiele dafür, wie wir krampfhaft versuchen die Metapher des Buches als physisches Objekt in die digitale Welt zu übertragen. Das kann nur schiefgehen.

Das E-Book existiert nicht indem Sinn wie ein gedrucktes Buch existiert. Ich kann Ihnen nicht „mein“ E-Book weitergeben. Was weitergegeben wird ist immer eine Kopie. Es ist schon recht frech oder ziemlich realitätsfremd zu behaupten, man könne sicherstellen, dass bei dem, der das E-Book weiterverkauft hat, keine Kopie mehr existiert.

Beim „gebrauchten“ E-Book sind auch keine Gebrauchsspuren erkennbar. Es ist absurd bei E-Books von „gebraucht“ zu sprechen. Das Produkt ändert sich für den Käufer in keiner Art und Weise, ob er das E-Book „neu“ oder „gebraucht“ kauft.

Es zeigt sich hier sehr schön, dass das was die Rechteinhaber (Verlage, Autoren) eigentlich verkaufen wollen, nicht das Buch bzw. das E-Book ist, sondern die Lizenz den Inhalt auf eine bestimmte Art und Weise nutzen zu dürfen. Diese Lizenz könnte ich natürlich weiter verkaufen und wenn ich diese nicht mehr besitze, dann darf ich das Werk auch nicht mehr nutzen. Das Problem ist einfach, dass es relativ schwierig ist, seine Lizenzbedingungen durchzusetzen. Solange das Herstellen von Kopien mit einem gewissen Aufwand verbunden gewesen war, war das alles nicht so problematisch. Man hat nicht einmal über den wahren Charakter des Buchgeschäftes nachgedacht. Jetzt im digitalen Zeitalter wird plötzlich sichtbar, was das gedruckte Buch eigentlich war. Ein bequemer physischer Behälter für Inhalt plus Lizenzdurchsetzung.

Es ist nun aber völlig falsch, zu versuchen die alte physische Welt in der digitalen nachzubilden. Wir sollten beginnen damit zu leben, dass sich die Zeiten, in welchen die Geschäftsmodelle auf dem Verkauf von Kopien von Daten basierten, langsam dem Ende nähern.

(Bildquelle: © Jorge Royan / http://www.royan.com.ar / CC-BY-SA-3.0)

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2 Responses to Gebrauchte E-Books gibt es nicht

  1. Matthias 24. Juni 2014 at 00:06 #

    Solange für ebooks absurd hohe Preise verlangt werden, werde ich sie als meinen Besitz und nicht als „Lizenz zum Lesen“ betrachten. DRM hin oder her.

  2. Martin Steiger 20. Juni 2014 at 17:27 #

    « Jetzt im digitalen Zeitalter wird plötzlich sichtbar, was das gedruckte Buch eigentlich war. Ein bequemer physischer Behälter für Inhalt plus Lizenzdurchsetzung.»

    Mit welchen Lizenzbedingungen? Es gibt kaum Einschränkungen für die Nutzung eines gekauften Buches – bis hin zum Weiterverkauf … dort, wo das Urheberrecht wieder direkt ins Spiel kommt, wird kollektiv verwertet, ohne dass es der Buchkäufer direkt merkt, beispielsweise beim Kopieren von einigen Buchseiten mit einem Kopierapparat.

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