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Die Verwandlung vom passiven Konsumenten zum aktiven Prozessteilnehmer

Das Urheberrecht wurde unter der Prämisse entwickelt, dass ein relativ kleiner Teil von kulturschaffenden Produzenten zusammen mit ihren Verwertern einer grossen Masse von passiv und privat Konsumierenden gegenüber stehen. Diese Konstruktion stimmte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts mit der Realität weitgehend überein. Natürlich haben schon vor der Verbreitung des Internets Menschen urheberrechtlich geschützte Werke verändert und kopiert, dies geschah allerdings im kleinen Kreis des privaten Umfeldes. Die Produktionswerkzeuge und die Distributionskanäle waren den den Amateuren und Dilettanten nicht zugänglich. Das Netz hat einen radikalen Paradigmenwechsel eingeläutet:

«Das Publikum wird ermächtigt, seine Anerkennung der Leistungen der KünstlerInnen nicht nur durch Bezahlung an der Kasse und mittels Applaus in Gegenwart der KünstlerInnen zum Ausdruck zu bringen, sondern sich durch verschiedene Aktivitäten in die Produktion einzubringen und sei es nur, dass sie sich mittels Crowd-funding an der Vorfinanzierung eines neues Werks beteiligen. Das erfordert aber ein Umdenken von Seiten der KünstlerInnen und ein verändertes Verhältnis zum Publikum. Hat die Entstehung des fordistischen Modells den AutorInnen erlaubt, sich aus der persönlichen, hierarchischen Abhängigkeit des feudalen Mäzenatentums zu lösen und in eine abstrakte, marktvermittelte Gleichheit zu ihrem Publikum zu treten, so bietet die aktuelle Situation die Möglichkeit, sich von der abstrakten Gleich­heit des Marktes zu lösen und in eine hochgradig persönliche und gleichberechtigte Beziehung zum Publikum zu treten.» (Felix Stalder, Der Niedergang der fordistischen Kulturindustrien, Der Autor am Ende der Gutenberg Galaxis, 2014).

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Der Autor am Ende der Gutenberg Galaxis
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«Das Thema dieses Buchs ist also das Urheberrecht und der Miss­brauch, der heute mit ihm getrieben wird.»
Neuerscheinung: Erster Entwurf eines Versuchs über den Zusammenstoss des Urheberrechts mit dem Internet
Das allmähliche Verschwinden der freien Kultur
Neun Thesen zur Remix-Kultur
Das Urheberrecht als Ausdruck des industriellen Zeitalters
Aus dem buch & netz Katalog
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