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Der Kulturadel

Troisordres-1424x2Die geltende Doktrin verlangt, dass jede Nutzung eines Werkes die Erlaubnis des Urhebers benötigt. Im Zeitalter vor der vernetzten Welt war diese Idee auch relativ einfach umzusetzen, da es sich um einen eher kleinen Kreis von Menschen und Organisationen handelte, die Werke im Sinne des Urheberrechts nutzten. Heute ist das, wie wir wissen, völlig anders. Der Kreis der potentiellen Werknutzer hat sich auf alle Menschen mit Internet-Zugang ausgedehnt. Als Reaktion darauf haben wir nun uns aber nicht die Frage gestellt, ob wir vielleicht diese ursprüngliche Idee neu denken sollten, sondern wie diese Idee rigoros umgesetzt werden kann. Das führt zum Beispiel dazu, dass es fast unmöglich ist, verwaiste Werke zugänglich zu machen, ohne gegen Gesetze zu verstossen. Obwohl in den allermeisten Fällen keine oder sehr kleine kommerzielle Gewinne erzielt werden, ist das System exklusiv darauf ausgerichtet, dass die wenigen, die sehr viel mit ihren Kulturproduktionen verdienen, möglichst jeden potentiellen Cent umsetzen können. Die langen Schutzfristen beim Urheberrecht sind ja nicht dazu da, dafür zu sorgen, dass die grosse Masse der Kulturschaffenden oder gar ihre Erben Geld für die Nutzung ihrer Werke erhalten, sondern dass die grossen Cash-Cows der Unterhaltungsindustrie möglichst lange Profite liefern. Der allergrösste Teil aller Kulturschaffenden hat nichts davon, im Gegenteil, ihre Werk verwaisen und vermodern und haben nicht einmal die Chance, dass sie dereinst rezipiert werden. Lawrence Lessig hat das in der Einführung zu seinem Werk «Freie Kultur» folgendermassen ausgedrückt:

«Wir haben eine Art Kulturadel etabliert; innerhalb dieser Adelsschicht lebt es sich leicht, außerhalb schwer.» (Lawrence Lessig, Freie Kultur, 2006, S. 19)

Die Karikatur in unserem Bild aus der Zeit der Französischen Revolution zeigt, wie der Dritte Stand den Adel und den Klerus auf seiner Schulter tragen muss. So ähnlich kann man unsere heutige Kulturgesellschaft sehen. Die grossen Kulturkonzerne bilden den Adel und die Verwertungsgesellschaften den Klerus.

Blogbeitrag zu
Freie Kultur
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«Das Thema dieses Buchs ist also das Urheberrecht und der Miss­brauch, der heute mit ihm getrieben wird.»
Neuerscheinung: Erster Entwurf eines Versuchs über den Zusammenstoss des Urheberrechts mit dem Internet
Das allmähliche Verschwinden der freien Kultur
Neun Thesen zur Remix-Kultur
Das Urheberrecht als Ausdruck des industriellen Zeitalters
Aus dem buch & netz Katalog
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